Jetzt ham wa den Salat!

Satirische Texte und Lieder von und mit Wolfgang Reuter


Skandal im Wahl-Lokal
Bei allen Wahlen ist's dasselbe:
die Straßen von Plakaten voll.
Und Grüne, Rote, Schwarze, Gelbe
erklär'n, dass man sie wählen soll.

Herr Michel stöhnt, ihm knurrt der Magen.
Was int'ressiert ihn da die Wahl?
Um sich das Bäuchlein vollzuschlagen,
treibt's ihn zum Essen ins Lokal.

Er greift zur Karte, ihm wird übel:
Bunt wie'n Plakat! - Herr Michel zuckt;
ein jedes Essen ist penibel
verschiedenfarbig ausgedruckt.

In gelb (als erstes gut zu sehen)
gibt’s Lindner-Honig, diesem kann
kein Großverdiener widerstehen,
(Rezept stammt von Strack-Zimmermann).

In rot verspricht man rote Grütze,
die steigt zu Kopf, erklärt man stolz.
Doch ist sie dort zu gar nichts nütze.
(Man sieht es ja an Olaf Scholz.)

In schwarz wirbt Söder für Getränke
mit sehr viel Schaum auf jeder Maß.
Herr Michel sagt sich: „Na, ich denke,
das macht doch auch dem Fritze Spaß.

Grün-Robert sowie Annalena
empfehlen statt mehr Fleisch mehr Fisch.
Iss Grünzeug, davon wirst du „schöna“!
Und wer viel fliegt, hält's Klima frisch ???

In dunkelpink empfiehlt man Sekt,
nach gutem Essen gar nicht schlecht!
Wer sich damit berauscht, dem schmeckt
das Bündnis Sahra Wagenknecht.

Rein deutsch sei Essen, Land und Geist,
so schreibt in blau die AfD.
Und wer den rechten Arm hochreißt,
ist wohl im Grunde ganz okay.

Sehr scharf gegrillte Artischocke
verspricht die Karte in knallrot.
Das klingt nach Gregor Silberlocke.
(Noch ist die Linke ja nicht tot.)

„Schluss!“, flucht Herr Michel, ruft den Ober,
er knallt die Karte hin und spricht:
„Was soll ich denn mit dem Zinnober? -
Giraffen-Futter ess ich nicht.“

„Mein Herr“, bekommt er da zu hören,
„Sie speisen bei uns stets First Class!“
Herr Michel will sich nicht beschweren:
„Dann bringen Sie mir irgendwas!“

„Auch damit, Maestro, kann ich dienen,“
Schon eilt der Ober flugs herbei.
„Mein Herr, ich präsentiere Ihnen
den guten deutschen Einheitsbrei.“

Herr Michel kaut und würgt und leidet.
Er schluckt verstört und resümiert:
Wer sich beim Wählen nicht entscheidet,
muss nehmen, was man ihm serviert.

02. 01. 2025
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